Locker und cool zu Platz 15

Lea Siegl hat in den letzten Wochen mit starken Leistungen aufgezeigt und auch bei ihrer ersten Teilnahme an Olympischen Spielen abgeliefert, und das in beeindruckender Manier. Die Oberösterreicherin hat in den letzten Jahren eine enorme sportliche Entwicklung genommen und ist als Persönlichkeit gereift. Das OEPS Talente Team, dem Siegl bis Ende 2019 angehörte, war in dieser Zeit ein wichtiger Wegbegleiter und in Hinblick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele ein essenzieller Baustein. Nach einer starken Performance holte die 22-Jährige mit ihrem Sportpartner Fighting Line in der Vielseitigkeit den ausgezeichneten 15. Platz in Japan.


„Wir als Österreichischer Pferdesportverband sind sehr stolz auf die gezeigten Leistungen in der Vielseitigkeit und gratulieren Lea Siegl recht herzlich zu ihrem tollen Erfolg bei den Olympischen Spielen in Tokio. Wir sind davon überzeugt, dass sie weiter ihren Weg gehen wird und auch in Zukunft viele tolle Erfolge für sich, aber auch für Österreich erreiten wird“, freut sich OEPS-Präsidentin Elisabeth Max-Theurer.

„Lea war in der Vorbereitung und bei den Bewerben höchst fokussiert und hat sich von den großen Wettkampfstätten in Tokio nicht beeindrucken lassen. Wir könnten stolzer nicht sein, was diese junge Reiterin für Österreich und auch für sich selbst erreicht hat“, zeigte sich Vielseitigkeits-Referent Thomas Tesch mehr als zufrieden.

(c) Tomas Holcbecher
(c) Tomas Holcbecher

„Ich bin einfach nur stolz!“

„Als Vater und Trainer bin ich über die gezeigte Leistung überglücklich. Seit Lea denken kann, wollte sie immer an Olympischen Spielen teilnehmen – jetzt ist dieser große Traum in Erfüllung gegangen. Die gezeigte Leistung war von der Dressur über den Geländeritt bis hin zum Springen tadellos. Lediglich beim letzten Sprung hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Ich bin einfach nur stolz, dass ich bei diesen Momenten hier in Tokio dabei sein konnte“, freute sich Harald Siegl, der Österreich bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen selbst in der Vielseitigkeit vertreten hatte, über eine starke und sehr reife Vorstellung seiner Tochter.

Aber Lea Siegl wäre nicht Lea Siegl, würde sie ihre eigene Leistung nach einem Abwurf am letzten Hindernis nicht doch ein wenig selbstkritisch durchleuchten: „Ich bin immer recht streng mit mir, dabei will ich eigentlich nur mein Bestes geben. Man muss sich selbst auch Fehler verzeihen können und im Grunde ist Finale halt Finale. In ein paar Jahren wird sich vermutlich keiner mehr daran erinnern“, analysierte Siegl, die in Tokio die Jüngste im Teilnehmerfeld war.

(c) Tomas Holcbecher
(c) Tomas Holcbecher

Mit Lockerheit zum Ziel

Eben dies – ihr Alter – konnte die Oberösterreicherin am Ende ihres Tokio-Aufenthalts fast schon nicht mehr hören. „Darauf wurde ich bei jedem Interview angesprochen. Es kamen immer Fragen wie: ‚Du bist die Jüngste, verspürst du einen bestimmten Druck?‘ Aber eigentlich, denke ich mir, ich bin die Jüngste, ich hatte den wenigsten Druck, weil ich hoffentlich noch genug Jahre Zeit habe, die Erfahrung zu sammeln“, drehte die 22-Jährige den Spieß um. „Von daher bin ich es locker angegangen und war eigentlich erstaunt, wie wenig nervös ich war. Ich habe schon an vielen anderen Turnieren teilgenommen, bei denen ich aufgeregter war. Es freut mich, dass ich in Tokio mental cool bleiben konnte – bis auf den letzten Sprung.“

(c) Tomas Holcbecher
(c) Tomas Holcbecher

Überwältigende Unterstützung aus der Heimat

„Es war einfach ein cooles Erlebnis, hier dabei gewesen zu sein – ganz anders als das, was ich bisher erlebt habe. Das große Stadion, überall Medien und wie viele Nachrichten, die ich von Freunden und Fans bekommen habe, einfach unglaublich. Es sind so viele Leute in der Nacht aufgestanden, um mir zuzuschauen und die Daumen zu drücken. Das war total überwältigend, wie viele mich da von zu Hause aus angefeuert und unterstützt haben“, erzählte Siegl. „Jetzt bin ich glücklich, dass es so gut gegangen ist und es für eine Platzierung gereicht hat. Mein großes Ziel war das Finale, das habe ich geschafft.“

Paris 2024 kann kommen

Noch mehr Olympia-Flair will die 22-Jährige dann in Paris spüren. „Das ist auf jeden Fall der Plan. Tokio ist mir eigentlich so reingerutscht, damit habe ich nicht gerechnet. Dadurch, dass die Saison 2019 für mich so gut gelaufen ist, hat es plötzlich geheißen, dass ich einen Startplatz für die Spiele erritten habe. Ich konnte das anfangs gar nicht glauben“, gab Siegl zu und ergänzte: „Für mich war es ein wichtiger Probelauf für Paris. Ich freue mich, dass es jetzt schon so gut geklappt hat, und dass ich die Möglichkeit hatte, nach Japan zu fahren. Das große Ziel ist aber Paris, da werde ich dann auch schon die nötige Erfahrung haben.“
„Der österreichische Auftritt war ein echter Motivationsschub für die Vielseitigkeit in Österreich. Nach den Olympischen Spielen ist vor den Olympischen Spielen, und somit beginnen schon jetzt die Vorbereitungen auf Paris 2024. Unser erklärtes Ziel ist es, eine komplette Mannschaft stellen zu können. Die Vorzeichen stehen jedenfalls gut“, gab Tesch einen abschließenden Ausblick.

Und eines ist klar: Mit ihrem Weg über das OEPS Talente Team bis zur Teilnahme an den Olympischen Spielen ist Lea Siegl ein großes Vorbild für alle rot-weiß-roten Reiter*innen aus den unterschiedlichen Sparten. Mit konsequenter und harter Arbeit, dem Willen sowie dem richtigen Ehrgeiz können einige Nachwuchsreiter*innen diesem Beispiel in Zukunft folgen.

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