Mit Teamgeist, Pferdeliebe und Perfektion zur Spitze

19.07.2025 - Wenn vom 30. Juli bis 3. August das Pferdezentrum Stadl Paura zur Bühne der Voltigier-Weltelite wird, ist einer mittendrin statt nur dabei: Philip Clement, 23 Jahre jung, Medaillenhoffnung der österreichischen Herren im Einzel. Der Niederösterreicher zählt seit Jahren zu den Top-Voltigierern Europas – und das, obwohl es für einen Burschen nicht unbedingt der naheliegendste Sport ist.

„Ich war als Kind eher still und habe nicht viel geredet“, erzählt Clement mit einem Schmunzeln. „Meine Mutter hat uns – meine Zwillingsschwester und mich – damals zu einem kleinen Voltigier-Verein gebracht. Die Idee dahinter war, dass der Kontakt mit den Pferden und die rhythmische Bewegung uns in unserer Entwicklung unterstützen.“ Aber darau wurde schnell mehr: ein Hobby, ein Leistungssport, eine Leidenschaft. Und aus dem schüchternen Bub, der mit bereits drei Jahren auf dem Pferd saß, wurde ein Spitzensportler, der mittlerweile Vize-Europameister (2022) und Weltmeistertitelträger in der Altersklasse der Young Vaulter (2023) ist.


Der entscheidende Punkt: Lust auf mehr

Der Weg in den Spitzensport war kein Zufall. „Mit 13 habe ich gemerkt: Ich will mehr trainieren. Und unsere Trainerin hat gesagt, da steckt Potenzial drinnen. Dann bekamen wir im Verein eine externe Trainerin, und ab da war klar: Wir wollen das richtig machen.“ Seitdem trainiert er fast täglich – und das meiste davon neben dem Pferd. „Wenn man bedenkt, dass ich pro Woche etwa zehn Minuten tatsächlich auf dem Einzel-Pferd trainiere, und dafür zweimal die Woche in die Steiermark fahre, klingt das schon verrückt. Ansonsten trainere ich logischerweise auch noch auf dem Team-Pferd“, sagt er. „Aber das Zusammenspiel mit dem Pferd und die Perfektion, das motiviert einen Athleten und treibt mich an. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe – das ist nicht selbstverständlich.“

„Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es kann“

Der emotionalste Moment seiner bisherigen Karriere? „Ganz klar: der Weltmeistertitel der Young Vaulter. Schon 2022 war ich Vize-Europameister, das war meine erste Einzelmedaille, aber irgendwie wusste ich: Da geht noch mehr. Weil ich damals nicht auf meinem eigenen Pferd starten konnte.“ Was dann folgte, war harte Arbeit – und der Mut, sich neu aufzustellen. „In der Steiermark bin ich mit dem Louis Bonheur und der Lena (Anm.: Kalcher-Prein) ein Team geworden. Wir haben uns richtig gefunden, und es passt einfach.“

Louis Bonheur, das ist sein vierbeiniger Partner – ein verlässliches, gutmütiges Voltigierpferd. „Er ist unglaublich lieb, ruhig und zuverlässig“, schwärmt der 23-Jährige. „Das Team um ihn herum ist wie eine Familie für mich geworden. Ohne die Unterstützung von Lena, Fabiana, Lara und natürlich meiner Trainerin Lilli (Anm.: Maria Lehrmann, URC Wildegg) wäre das alles nicht möglich. Es ist ein Privileg, so ein tolles Umfeld und Team zu haben. Das will ich auch im Zirkel zurückgeben.““

Rückschläge und Vorfreude

Auch Rückschläge blieben nicht aus: eine hartnäckige Schulterverletzung, die ihn seit 2024 begleitet, und zuletzt eine Halsentzündung in der Vorbereitung. „Aber im Moment habe ich es gut im Griff“, sagt Clement. „Ich muss beim Training aufpassen, aber ich kann meine Leistung abrufen.“

Und diese will er im Pferdezentrum Stadl Paura zeigen. „Die Vorfreude ist riesig. Ein Heimchampionat mit vollem Haus, auf einem Platz, den wir gut kennen – das wird sicher etwas Besonderes.“ Seine Zielsetzung? „Drei saubere Runden turnen. Ich möchte zeigen, was ich kann, und dann sehen wir, wofür es reicht. Natürlich wäre eine Medaille ein Traum.“
Wie schaut es aber in puncto Nervosität aus? Ein Heimchampionat hat man ja nicht jeden Tag. „Ein ausverkauftes Haus in Österreich und die Besten der Besten zu treffen, ist schon etwas Besonderes. Ich freue mich sehr, dass es endlich losgeht. Die Leistungsdichte bei den Herren ist hoch. Da kann schon ein kleiner Fehler zwei, drei Plätze kosten. Die Vorfreude ist richtig groß. Ich kann es kaum erwarten, bis es los geht.

Ziele für die Zukunft

Dass Philip Clement mit 23 noch lange nicht am Ende seiner Reise ist, spürt man in jedem Satz. Aachen, Weltcup-Finale, weitere Medaillen – die Liste seiner Ziele ist lang. „Ich bin weiter motiviert. Ich möchte mir selbst beweisen, dass ich noch mehr kann“, so der Niederösterreicher, der nebenbei an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft Radiologietechnologie studiert.

Dankbarkeit und Teamgeist

Am Ende betont er noch einmal, was ihm wirklich wichtig ist: das Team. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man so ein Pferd so lange nutzen darf, dass alle zusammenhalten. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Vielleicht bringt er es damit selbst am besten auf den Punkt: „Voltigieren ist für mich mehr als Sport – es ist Teamgeist, Pferdeliebe und Perfektion.“

Schlagwörter dieser Seite