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"Ich glaube, in Tokio ist alles möglich!"

Im Alter von 3 Jahren bekam sie ihr erstes eigenes Pony, 19 Jahre später steht sie vor ihrer Olympia-Premiere in Tokio. Vielseitigkeits-Reiterin Lea Siegl im Portrait.


Die oberösterreichische Vielseitigkeits-Reiterin Lea Siegl hatte 2019 den ersten Olympia-Quotenplatz für Österreichs seit 2012 geholt: „Als mir mein Vater die Liste gezeigt hat, konnte ich es kaum glauben. Ich hätte nicht gedacht, dass sich das noch ausgeht. Dieser Quotenplatz ist ein Traum für die gesamte Vielseitigkeit in Österreich, wir dürfen sogar zu zweit in Tokio reiten, weil noch ein Platz dazugekommen ist.“

Jüngste Starterin in der Vielseitigkeit

Die Verschiebung von Olympia um ein Jahr nahm die Tochter von Olympia-Teilnehmer Harald Siegl (2004 mit der Vielseitigkeits-Mannschaft in Athen) relativ pragmatisch: „Mit meinen 22 Jahren, bin ich die jüngste Olympia-Starterin in der Vielseitigkeit und ich habe durch die Verschiebung ein Jahr gewonnen, ein Jahr mehr Training, ein Jahr mehr Erfahrung und meinem „Fighti“ (Anm.: ihr Pferd Fighting Line) hat es auch nicht geschadet. 2020 wäre da für mich alles schon etwas zu schnell gekommen: Quotenplatz, erstes Viersternturnier, zack hinfahren…“

Dafür zeigte die Lehramtsstudentin für Geschichte und Psychologie/Philosophie und staatlich geprüfte Reittrainerin sowohl vor als auch nach der COVID-19-Pandemie in der internationalen Vielseitigkeit ihr Können: zwei Bronze-Medaillen beim European-Cup, erster Vierstern-Sieg 2019 beim Turnier im polnischen Sopot, 2021 folgten jeweils dritte Plätze in Strzegom (POL) und in Marbach (GER).

Am Podium mit dem Olympiasieger

Siegl: „Der erste Vierstern-Sieg in Polen war besonders, aber auch der dritte Platz in Marbach, da waren extrem viele Starter und alle guten Leute mit ihren besten Pferden dort. Dass ich jetzt schon mehrmals neben Michael Jung (Anm.: Olympiasieger, Welt- und Europameister) bei der Siegerehrung stehen durfte, damit habe ich nicht gerechnet. Der ist ja eigentlich unschlagbar!“

Diese Erfolgserlebnisse geben natürlich Selbstvertrauen: „Ich glaube, in Tokio ist alles möglich! Wenn wirklich alles super nach Plan läuft, wir eine saubere Dressur gehen, dann weiß ich, dass „Fighti“ das draufhat. Er ist mit seinem Vollblutanteil für die Hitze in Tokio wie geschaffen, ich weiß, was er im Gelände und im Springparcours kann. Aber: Ich bin noch nie so etwas Schweres wie eine Olympia-Prüfung geritten. Ob ich das so lässig angehe, wie in Marbach, wo ich einfach darauf losgeritten bin? Da war ich mir ganz sicher, das hatte ich alles daheim trainiert. Es geht im Reitsport auch um viel Erfahrung, daher mache ich mir keinen Druck. Ein Top-20-Ergebnis wäre für mich schon eine sehr gute Sache.“

Lea Siegl ist seit 2020 Heeressportlerin, kann seither wie ein Profi, arbeiten: „Ich muss mich nur einmal in der Woche im Heeresleistungszentrum Linz melden, dort kann ich dann auch die Infrastruktur des Olympiazentrums Linz nutzen. Inklusive Physiotherapie und sportmedizinische Versorgung.“

Beste Voraussetzungen für eine gelungene Olympia-Premiere wenn es am 30. oder 31. Juli in der Dressur, am 1. August im Gelände und am 2. August im Springreiten im Tokioter Equestrian Park in der Vielseitigkeit um Medaillen geht.