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Morbitzer: "Wir müssen umdenken"

08.11.2008 - Springsport. Sechs internationale Doping-Fälle in den Bewerben bei den Olympischen Spielen in Hongkong haben in der Springreiter-Welt die Alarmglocken läuten lassen. Die österreichische Springreferentin Gabriele Morbitzer im Gespräch...


Springsport. Sechs internationale Doping-Fälle in den Bewerben bei den Olympischen Spielen in Hongkong haben in der Springreiter-Welt die Alarmglocken läuten lassen.

Der Einsatz von Capsaicin im Springreiten könnte gar systematisch zur Hyper-Sensibilisierung der Pferdebeine eingesetzt werden, wird gemutmaßt. Deutschlands führende Reitturnier-Veranstalter haben daher gefordert, dass nicht nur die Strafen verschärft, sondern Pferde künftig wie Leistungssportler behandelt werden.


"Wir müssen umdenken"
In Deutschland ist dies noch in Ausarbeitung, die bisher nicht für Pferde zuständige deutsche NADA benötigt noch Zeit.
Freilich macht dies alles nur Sinn, wenn man es auch international einsetzt. Österreichs Springreitreferentin, Gabriele Morbitzer, die dieses Amt schon seit sechs Jahren bekleidet, unterstützt diese Initiative.
"Ich finde das richtig. Wir müssen umdenken. Ich habe deshalb am 7. Jänner mit meinen Kader-Reitern und auch den Young Riders ein Meeting mit einem mir wichtigen Tierarzt, damit die mal aufgeklärt werden", meinte die frühere Gattin von Hugo Simon im Gespräch mit der APA.


Tierarzt als Ansprechpartner

Themen werden dabei u.a. Details über den Muskelaufbau für Pferde, die richtige Vorbereitung usw. sein, aber eben auch Doping.
Morbitzer hat eine Verbindung zu einem deutschen Tierarzt hergestellt, den man jederzeit kontaktieren könne.
"Am freien Markt oder auch bei den Ständen in der Stadthalle werden ja diverse Salben etc. verkauft. So kann man bei dem Tierarzt anrufen und fragen, ist das okay oder nicht", so Morbitzer.


"Sind betriebsblind geworden"
Man müsse sich absichern.
"Wir sind da ein bisschen betriebsblind geworden. Ich werde sicher bei Dingen, die unrechtens sind in der Reiterei, ganz hart durchgreifen. Das darf alles nicht mehr sein. Ich werde auch mit den Richtern darüber reden, auch da sind Betriebsblindheiten aufgetreten. Manche Reiter werden immer frecher", meinte Morbitzer, wollte dabei aber nicht näher ins Detail gehen.


Vertrag für internationale Aktive
"Wir werden uns auf jeden Fall an den internationalen FEI-Standard halten."
Die Springreit-Referentin will den Sport unbedingt sauber halten und auch einen Vertrag für international aktive Reiter aufsetzen.
"Wer international geht, muss diesen Vertrag unterzeichnen. Da steht alles ganz genau drin, wer dagegen zuwiderhandelt, ist raus aus dem Kader", stellt Morbitzer klar.


Sechs Dopingfälle bei Olympia
Bei den Olympischen Spielen wurde dank einer neuen Testmethode bei sechs Pferden Capsaicin (bzw. Nonivamid, also synthetisches Capsaicin) festgestellt.
Laut dem Weltverband FEI wird diese Substanz quasi zweifach betrachtet: Doping liegt vor, wenn es wegen seiner hypersensibilisierenden Eigenschaften benutzt wird, eine "verbotene Medikation", wenn es als Schmerzmittel eingesetzt wird.
Das Pferd Rufus von Rodrigo Pessoa, der Olympiasieger 2004, sowie die Pferde von Christian Ahlmann (GER), Tony Andre Hansen (NOR), Denis Lynch (IRL) und Bernardo Alves (BRA) sind positiv getestet worden.
Gleiches galt für das Pferd Mythilus der US-amerikanischen Dressurreiterin Courtney King.
Pessoa war kurioserweise vor vier Jahren nachträglich Olympiasieger geworden, weil der Ire Cian O"Connor wegen Dopings disqualifiziert worden war.


Beerbaum unterstützt die Initiative
In Deutschland hatte sich auch der vierfache Olympiasieger Ludger Beerbaum für diese Verschärfung im Kampf gegen Doping eingesetzt.
"Ich finde das die sauberste Lösung, auch wenn ich weiß, dass ich dabei nicht bei allen Kollegen auf Gegenliebe stoße", sagte er.
Er selbst sei in einem Jahr siebenmal kontrolliert worden, seine Pferde aber nicht. (Quelle APA)

 

Bild: Springreferentin Gabriele Morbitzer (c) Michael Rzepa