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Happy Birthday, Thomas Frühmann!

Thomas Frühmann ist 70 Jahre alt. Im Springreiten hat der Wiener fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Olmpia-Silber mit dem Team, das Weltcupfinale, den Großen Preis von Aachen, das Hamburger-Derby gleich dreimal. Wir haben mit der Legende gesprochen über Große Preise, große Momente und grüne Sakkos.


Was war der emotionellste Erfolg Ihrer langen und erfolgreichen Karriere?
Thomas Frühmann: Ich glaube, dass das natürlich die Olympia-Medaille in Barcelona war, wenn man von einem mannschaftlichen Erfolg spricht. Im Einzel war es sicher das Weltcupfinale in Del Mar. Aber es ist jeder Erfolg schön, weil jeder Erfolg dich in dem was du zu Hause machst, wie du die Pferde trainierst und vorbereitest, bestätigt. Und vor allem längere Zeit gut in Form hältst. Ich habe zum Beispiel mit Grandeur den Großen Preis in Aachen gewonnen, dann ist ein zweiter Platz im Großen Preis von Aachen mit einem Domspatz wahrscheinlich sogar höher zu bewerten, weil der Domspatz ein ungleich schwierigeres Pferd war. Oder der Große Preis von Wiesbaden mit Bandit. Das sind Pferde, die man nicht gleich so im Kopf hat. Aber für mich haben diese Siege die Welt bedeutet.

Ihr Weg als erfolgreichster Springreiter Österreichs war aber nicht vorgezeichnet, oder?
Frühmann: Ich würde heute sagen, es war eine klassische Tellerwäscherkarriere. Denn ich hatte ja keinen Betrieb zu Hause, keinen Reitstall. Meine Mutter ist manchmal in Wr. Neustadt spazieren geritten. Dann kam ich mit 10 oder 11 Jahren in mein erstes Reitlager. Und dann ist es losgegangen, die Pferde haben mich nicht mehr losgelassen. Und ich habe von Anfang an versucht, mit den Besten mitzuhalten, um sie dann irgendwann im Parcours zu schlagen.

Dieser Ehrgeiz dürfte aufgefallen sein in der Reiterwelt, Sie waren ja von von 1984 bis 1994 bei Alwin Schockemöhle in Mühlen und sind dort mit den besten Pferden der Welt geritten.
Frühmann: Ja, ich wollte von Anfang an in diese Weltklassefamilie hineinkommen. Dabei habe ich immer versucht, zwei Treppen gleichzeitig zu überspringen. Und dort durfte ich dann mit unglaublichen Pferden wie Porter, Lamor, Grandeur oder Genius arbeiten. Das waren beeindruckende Lebewesen.

Apropos Pferde. Sie hatten so viele gute Pferde, an welches erinnern Sie sich am liebsten?
Frühmann: Ganz klar an Sixth Sense. Er war das menschlichste Pferd von allen. Charakterlich schwer nervös, er hasste Siegerehrungen und war im Handling nicht immer der Einfachste. Aber im Stall war er so lieb, denn hättest du am liebsten mit ins Bett genommen. Ein Top-Charakter mit dem hast du dich unterhalten können. Der hat genau gespürt, wie es dir geht und man hat das Gefühl gehabt, er hört dir zu.

Sie sind heute noch eng mit dem Reitsport verbunden. Warum?
Frühmann: Weil mich Pferde einfach faszinieren. Deshalb will ich immer etwas mit Pferden zu tun haben. Ich bin zwar schon genug geritten in meinem Leben, aber mit meiner Erfahrung kann ich noch immer helfen. Deshalb unterstütze ich ein paar gute internationale Reiterinnen und Reiter.

Sie sind zum Beispiel auch Mentor im Team Alpenspan. Wer ist eigentlich auf das grüne Sakko als Markenzeichen gekommen?
Frühmann: Das war der Wolfgang Pirker, der wollte mehr Farbe ins Spiel bringen. Eine geniale Idee, von der ich sofort begeistert war. Das war eine Revolution damals als ich im Jahr 2006 in Dortmund mit diesem Sakko eingeritten bin. Die Leute haben vor Begeisterung gepfiffen, mich haben Sie ja dort in der Gegend gut gekannt, weil ich mehr als ein Jahrzehnt dort in der Nähe gewohnt habe.

Wie kann man die Begeisterung für den Springsport neu wecken? Es ist doch relativ unübersichtlich und unverständlich geworden, oder?
Frühmann: Ich glaube, was ganz ganz schlecht für den Springsport war, ist die Entwertung der Nationenpreise. Dass da heute nur noch ein paar wenige Nationen im Finale in Barcelona reiten dürfen, ist nicht gut. Der Kern waren früher die Nationenpreise. Da ist ganz viel Emotion drin. Da waren 20 Nationen am Start in Aachen, Rom oder Falsterbo. Da hatten die Nationpreise natürlich einen Stellenwert, da war richtig Action. Dass man als vermeintlich schwächere Nation nicht mehr dabei sein darf bei den Besten, ist ein Rückschritt.

Was fehlt derzeit im österreichischen Springsport?
Frühmann: Ich denke die Ausdauer und der Plan. Wenn du keinen Grand Prix auf Zweistern-Niveau gewinnst, kannst du keinen Vierstern gewinnen. Man muss das Treppchen für Treppchen durchstehen, dranbleiben und lernen, wie man gute Pferde ausbildet noch besser zu werden. Nicht gleich aufgeben. Ich habe mit Grandeur in eineinhalb Jahren nur 1.700 Mark gewonnen. Ald der den Teich und Springbrunnen in Aachen gesehen hat, hat er sich gefürchtet. Da war er 9-jährig und unerfahren. Zwei Jahre später haben wir dort gewonnen. Viele Reiter höre ich immer wieder sagen: „Dieses Pferd kann nicht mehr!“ Vielleicht ist es aber so, dass der Reiter nicht mehr kann, sage ich.
Es gibt bestimmt viele gute Reiterinnen und Reiter in Österreich, aber das Trainieren des Pferdes gehört bei den ganz Großen eben auch dazu.

Thomas Frühmann Steckbrief

geboren 23. Jänner 1951 in Wien

Erfolge
Olympia-Silber 1992 in Barcelona mit dem Team (Thomas Frühmann mit Genius; Hugo Simon, Apricot; Boris Boor, Love me Tender; Jörg Münzner, Graf Grande)
Bronze mit dem Team bei den Ersatzspielen 1980 in Rotterdam
9 × österreichischer Staatsmeister im Springreiten zuletzt 2013 im Alter von 62 Jahren mit dem damals 17-jährigen Sixth Sense
1 × Weltcupfinalsieger (1992 mit Genius in Del Mar)
32 × Gewinner eines internationalen Turniers
1 × Sieger des CHIO Aachen
3 × Sieger des Hamburger Derbys
3 × Sieger im Audi Grand Prix in Wien
Gewinner der Riders Tour 2006

Auszeichnungen
1992: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

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