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Gänsehaut-Moment bei der Olympia-Generalprobe

Victoria Max-Theurer nimmt in Tokio zum fünften Mal an Olympischen Spielen teil. Wie der Routinier die eigenen Olympia-Chancen mit Abegglen einschätzt und warum eine Sensation mit dem Team möglich ist.


Es war ein Gänsehaut-Moment bei der Olympia-Generalprobe daheim. Victoria Max-Theurer und Abegglen zauberten Mitte Juni beim internationalen Dressurturnier in Achleiten eine makellose Kür ins Schlossparkviereck, die von der hochkarätigen Jury (darunter 2 Richter, die bei Olympia in Tokio dabei sein werden) mit 83,01 Prozent bewertet wurde.

Die 35-jährige Oberösterreicherin, die in Tokio zum fünften Mal bei Olympischen Spielen teilnehmen wird, hatte nach dem Heimsieg Tränen der Freude in den Augen: „Ich bin überwältigt von dem, was da gerade im Viereck passiert ist. Es war immerhin erst unsere erste Kür, die wir am Tag zuvor zum ersten Mal ganz durchgeritten sind. Papa, wäre stolz auf uns gewesen.“

Kür-Rekord von Legende Augustin wackelte

Tatsächlich war Victoria Max-Theurer mit Abegglen (der übrigens nach der Schweizer Fußballer-Legende der 20er-Jahre Max Abegglen, heute noch immer dritterfolgreichster Torschütze der Nationalmannschaft, benannt ist) ganz nahe an den eigenen Kür-Rekord mit dem legendären Augustin OLD (83,05) herangekommen.

„Ich war schon bei Augustin im Stall, habe ihm eine Karotte gegeben und ihm gesagt, dass er den Rekord noch hat“, scherzte Max-Theurer, die mit dem Oldenburger bei den Olympischen Spielen in London 2012 Platz 13 belegt und 2014 in Caen zweimal WM-Sechste geworden war.

Dass die Tochter von Dressur-Olympiasiegerin Sissy Max-Theurer vielleicht mit dem 11-jährigen Westfalen-Wallach mit dem Fußballer-Namen die bisherigen Top-Ergebnisse überflügeln wird können, ist ein hochgestecktes Ziel der Ehrgeizigen, die einst im zarten Alter von 19 Jahren bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 ihr Olympiadebüt gegeben hatte.

Sensation mit dem Team möglich

Das Niveau in der internationalen Dressur ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, es wird im Olympischen Viereck in Tokio wohl schon mehr als 74 Prozent im Grand Prix brauchen, um unter die Top-18 zu kommen, die im Kür-Finale um die Medaillen reiten werden.

„Mir geht es bei Olympia in erster Linie darum eine gute Runde zu drehen. Wenn ich Abegglen die Sicherheit gebe, die er braucht, können wir gut punkten, das haben wir schon gezeigt“, sagt Victoria Max-Theurer, die mit ihrem Abegglen bei einem Best-Score von 75,804 Prozent im Grand Prix hält.

Mit dem Team, das erstmals seit 2004 wieder eine Olympia-Qualifikation geschafft hat, wäre ein Einzug in die Top-8, die sich die Medaillen erstmals mit einem Grand Prix Special ausmachen, eine Sensation.

„Wenn alle liefern, wäre so eine Überraschung durchaus im Bereich des Möglichen“, sagt Equipe-Chefin Uschi Barth mit dem Hinweis auf die Best-Scores von Florian Bacher und Fidertraum (73,043) und Christian Schumach mit Te Quiero (72,609).

Den insgesamt 26-stündigen Transport von Aachen über Liege (Abflug) mit Tankstopp in Dubai nach Tokio mit den österreichischen Pferden (insgesamt sind es 18 pro Flieger) hat der oberösterreichische Tierarzt Wolfgang Himsl begleitet. Alle Pferde sind gut und "topfit" ((c) Uschi Barth) in Tokio gelandet.

Die Termine für die Olympischen Dressur-Wettbewerbe: 24. und 25. Juli Grand Prix, am 27. Juli werden die Team-Medaillen unter den Top-8-Nationen im Grand Prix Spezial vergeben, 28. Juli Grand Prix Kür der Top-18 des Grand Prix. Alle Ritte der ÖsterreicherInnen werden live im ORF übertragen.

Vielleicht gibt es auch im Equestrian Park von Tokio einen Gänsehaut-Moment, wie den bei der Olympia-Generalprobe ich Achleiten.